Bist du/seid ihr als Abteilung in irgendeiner Weise bei der Entscheidung beteiligt ob und wie die Zeitung Bezahlschranken und Tracker einbindet?
Nein, das macht die Online-Redaktion mit der Geschäftsführung und dem Datenschutzbeauftragten aus.
Ausführen tut das dann ein Hosting-Dienstleister.
Es gruselt mich jedesmal, wenn ich rnz.de ohne Werbeblocker aufsuche.
Habt ihr ein Archiv in dem man auf alle alten Ausgaben zugreifen kann?
Ja, aber “man” ist beschränkt auf Mitarbeiter und Abonnenten.
Generell gibt es wenig Gründe, Ausgaben für Alle kostenlos zur Verfügung zu stellen, wenn über 200 Mitarbeitende bezahlt werden müssen, um sie zu erstellen.
Nervt Dich aufgrund Deiner beruflichen Tätigkeit, wie wir hier bei Feddit Paywalls umgehen?
Nein. Es ist ein größeres gesamtgesellschaftliches Thema.
Zeitungen waren mal die primäre Nachrichtenquelle.
Und Menschen haben ganz selbstverständlich Hunderte von Mark im Jahr für ein Abo bezahlt.
Heute ist fast niemand mehr bereit, für Nachrichten Geld zu bezahlen. Man kriegt die Schlagzeilen ja online.
Aber das was Geld kostet, ist nicht das Papier, sondern die Gehälter der Journalisten.
Das führt dazu, dass die Qualität immer mieser wird, bis hin zu “Wir lassen KI einen Artikel über den neuesten X-Post von Elon Musk schreiben”.Ich sehe da auch keinen Ausweg.
Presse ist essentiell für die Demokratie, aber wenn niemand dafür zahlen will, stirbt sie.
Und eine Steuer- oder Abgabenbasierte Finanzierung geht auch nicht, weil der Grund dafür, dass Presse essentiell ist, eben genau die Unabhängigkeit vom Staat ist.
Die RNZ stemmt sich noch erfolgreich gegen den Trend und ist meines Wissens eine der letzten verbliebenen unabhängigen Regionalzeitungen, aber ich erwarte nicht, bis zum Ruhestand dort bleiben zu können.Danke für Deine ausführliche Einordnung und Perspektive.
Es gibt ja schon lange Alternativen, die aufzeigen, wie es in Zunkunft gehen könnte. Modelle wie das der taz, oder auch von Jung&Naiv, sichern ihre Unabhängigkeit und Qualität erfolgreich mit einer solidarischen Finanzierung durch ihre Medienkonsument:innen. Das gilt aber (noch) nicht für den Regionalbereich. Wenn wir Glück haben, werden sich zukünftig mehr Menschen engagieren, jene Qualität zu fördern, die es braucht, damit alle sich unabhängig informieren können.Die Taz
hat gerade ihre gedruckte Tageszeitung eingestelltplant, die gedruckte Tageszeitung einzustellen, um Kosten zu sparen.Die Taz hat gerade ihre gedruckte Tageszeitung eingestellt …
Noch nicht - und sowieso nicht in Gänze: Bis Ende Oktober gibt es MO-SA die Printversionen wie bisher, danach gibt es nur noch samstags eine Wochenendtaz gedruckt.
Die taz war digital schon in den 90ern Vorreiterin - und wird es wohl auch jetzt sein. An sich kein Problem: Die demokratische Funktion von Presse kann auch digital erfüllt werden.
Täglich druckfrische Zeitungen passen eben nicht mehr so recht in unser digitalisiertes Leben. Zu wenig interaktiv - und zu wenig anpassbar für Sehbehinderte zum Beispiel…
Unabhängige Medien wird es hoffentlich immer geben. Im Bedarfsfall stellen wir eines Tages kollektiv finanziert die Journalist:innen bei Feddit an - und natürlich Sysadmin superkret ;)Fun Fact: Das Digitalkonzept der TAZ inklusive dem aktuellen Bezahlmodell hat mein Cousin entwickelt, nachdem er keinen Bock mehr hatte, als selbständiger Webdesigner zu arbeiten, wo er zwar komplett ausgelastet war, aber kein Kunde die Rechnungen zahlen wollte.
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Müsste im Titel nicht am Ende FMA stehen? :)
Keine Ahnung, ich schau kein Anime.
Zeitungen werden ja auch immer auf dem politischen Spektrum eingeordnet. Wo siehst du da die RNZ?
Sie war mal so links, dass Helmut Kohl sich zeitlebens geweigert hat, ihr ein Interview zu geben.
Die Gründer waren ein Liberaler, ein Sozialdemokrat, und ein Kommunist.Heute sieht die RNZ sich selbst als mittig, und ich würde sie etwa an der gleichen Stelle verorten wie Die Zeit.
Definitiv konservativer als die Süddeutsche, aber linker als die FAZ, und mit verschiedenen Meinungen innerhalb der Redaktionen.
Weniger eine Frage, eher eine Bitte: Könntest du dich bitte dafür stark machen, dass die RNZ ihren Mastodon-Account hinüber zu BlueSky bridget? Das geht technisch äußerst leicht, nämlich einfach, indem man diesem Fediverse-Account folgt.
(Hintergrund: Um die Nazifizierungspipeline Twitter/X auszutrocknen, halte es für wichtig, dass gerade Regionalzeitungen auch auf BlueSky vertreten sind, weil sie wahrscheinlich zu den größten Pull-Faktoren für das nicht-technikaffine Volk gehören, welches für Mastodon eher schwer zu erwärmen ist.)
Wenn ich RNZ-Beiträge einreichen will und auf “Vorgeschlagenen Titel übernehmen” klicke, dann zerhackt es die Umlaute. Ist das ein Thema bei euch oder ist das eher ein Bugreport in Richtung Lemmy?
Das ist bei Lemmy (bzw. Feddit) allgemein so.